Ein großer Segen - 6 Jahre Kinderklinik

Februar 2017

Unser Koordinator Satya erzählt, dass eine junge Frau in einem unserer Dörfer sich im Streit mit ihrem Mann Kerosin über das Gesicht geschüttet hatte und dann anzündete. Zum Glück hat der Ehemann rasch mit einer Tuch die schnell entflammten Feuerzungen erstickt. Jedoch war schon die Gesichtshaut außer an Augen und Nase verbrannt.

Sie blieb im Dorf mit ihren Wunden zurück, ging einmal ins Regierungskrankenhaus, wo sie ein Antibiotikum bekam, jedoch keinen Verband. Wir ließen sie aus dem Dorf holen, nahmen sie bei uns auf und verbanden täglich das Gesicht und freuten uns, dass nur wenig Hautbezirke tiefer betroffen und nekrotisch waren. Sie war richtig dankbar, bei uns wieder ein Gesicht bekommen zu haben!

Unser kleiner Dauerpatient - auf zum Fest...

Unser junger Dauerpatient Ramchand, der eine Querschnittslähmung nach einem Motorrad Unfall hatte wurde zunehmend mobilisiert und konnte sich im Rollstuhl wieder aus dem Bett nach draußen bewegen. Sogar ein Heimaturlaub in seinem Dorf zu einem Fest war möglich. Unsere deutsche Volontärsärztin Gerlinde fuhr ihm treu hinterher, um in seiner Dorfhütte die tiefen Ulkus-Wunden zu verbinden, damit er sich keine Infektion holte.

EEG ohne Steckdose...?

Gerlinde hat nun endlich das neue EEG-Gerät einführen können, das wir im Röntgenraum installierten, da dort die Stromkreise am besten abgeschirmt sind. Vor lauter Vorsicht wurde beim Einbau der EEG-Kabine, die Steckdose vergessen zu installieren, womit das Gerät nicht angeschlossen werden konnte… Jedoch ließ sich dieses leichte Missgeschick rasch beseitigen… und nun wurden tägliche viele EEGs gemacht und befundet und einige Patienten neu mit Medikamenten eingestellt. Das ist eine große Hilfe, da wir viele neurologische Patienten haben.

Ein interessanter Fall...!

Von einem Priester, der uns gerne einmal hilflose Patienten schickt, bekamen wir einen 10-jährigen Jungen gesandt, der ein dick geschwollenes Knie hatte. Dann waren auch noch andere Körperstellen beulenartig angeschwollen… Unser indischer Kinderarzt meinte …this is an interisting case… - ein interessanter Fall!

 

Beim Röntgen fanden wir auch ein ganze Lungenhälfte verschattet und hatten dann doch den Verdacht auf eine Tuberkulose, die sich immer wieder mit neuen Bildern zeigen kann. Die Gelenkpunktionen wurden von einem Laborarzt in weniger sterilen Verhältnissen in seinem völlig verstaubtem Labor durchgeführt, auch ohne jegliche Schmerzmittel…. Zähne zusammenbeißen… heißt hier das Motto…

Die alleinstehende Mutter dieses Jungen hat 5 Kinder, wobei sie auf diesen Jüngsten ihre ganze Hoffnung setzt. Die TB hat sich bestätigt und wir konnten gleich die Behandlung beginnen, jedoch bedarf er zusätzlicher Therapien, wie Drainage des großen Pleuraergusses und wir durften dieses Kind wieder einmal zu den German Doctors nach Kalkutta verlegen.

Langsam ein Umdenken........

Wir haben nun in 12 Dörfern ein neues Awareness-Programm begonnen, wo wir in den Dörfern gut ausgebildete Dorfhelfer haben, die täglich Hausbesuche bei den mangelernährten und kranken Kindern machen. So soll nun zuhause und nicht mehr im gemeinsamen Ernährungsprogramm, das tägliche Essen für die Kinder verbessert werden. Mit dem angelegten Küchengarten kann dabei die Mahlzeit nahrhaft angereichert werden. Auch dazu bleibt unsere Helferin dabei, damit das Kind und nicht andere Mitbewohner das notwendige Essen bekommen.

Die Kinder mit Anämie bekommen die Eisentropfen auch von unseren Helfern in den Mund getropft, da es trotz monatelangen Eisenmedikamenten oft keinen erwünschten Erfolg gab. Wir fanden heraus, dass oft 20 Tropfen nicht abgezählt werden konnten, und die Kinder nicht ruhighielten, so dass die Tropfen nicht im Mund landeten. Die Schwangeren werden regelmäßig zur Vorsorge zu uns ins Krankenhaus gebracht. TB-Patienten werden ebenfalls täglich besucht, damit sie ihre Medikamente auch einnehmen und nicht absetzen, sobald es ihnen besser geht.

Weiter bieten wir für die Mütter Fortbildungen bei uns im Krankenhaus an, um ihre Krankheiten besser verständlich zu machen und Aufklärung zu geben über die Notwendigkeit, dass gerade die Kinder auch eine ausreichende Mahlzeit benötigen, um die gesamte Familie später einmal am Leben zu erhalten. Langsam findet ein Umdenken statt und ein Verständnis wächst, für ihre Gesundheit etwas tun zu können.

Augencamp - eine erste Brille

Wir haben ein Augencamp bei uns im Krankenhaus durchgeführt, wobei 50 Patienten untersucht wurden und 20 davon eine Operation benötigen, die wir in unserer Nähe in einem Krankenhaus durchführen werden. In einem Dorf hatte ich einem Mädchen, das gelähmt ist ein Buch mitgebracht. Seit langem ist sie uns bekannt, doch nun erst konnte ich feststellen, dass sie ganz nah das Buch herannahm, um die Schriftzeichen zu erkennen. Wir haben ihr als erste eine Brillen-Anpassung ermöglicht... Sie selbst hat nie geklagt. Die Familie hat diesen Zustand als gegeben hingenommen.

OP erkämpft...

Eine junge Frau hatte sich den Arm verbrannt und entwickelte einen bösartigen Tumor an ihrem Oberarm. Sie kam ganz hilflos zu uns. Unser Koordinator Pankaj begleitete sie mehrmals nach Kalkutta in die verschiedenen Krankenhäuser, wo sie dann schließlich nach hartnäckigem Drängen aufgenommen und operiert wurde und eine Hauttransplantation bekam. Sie wurde 2 Tage später wieder in ihr Dorf entlassen, jedoch hatte sie Pankaj gleich zu uns gebracht. Als wir den Verband wechselten wollten, waren Wundfläche und Verband so sehr verklebt, dass es eine geduldige Probe war, die Wunden frei zu bekommen. Das wäre im Dorf sicher schief gegangen und hätte mit einer Sepsis geendet.

Aus der Apotheke der Natur

In treuer Verbundenheit hat meine einstige Dorf-Gesundheitshelferin Leena wieder ein Heilpflanzen-Seminar bei uns im Krankenhaus veranstaltet und ihre reichen Heilpflanzenkenntnisse praktisch mit unseren Müttern umgesetzt… Das hat allen Freude gemacht und knüpft an ihre Tradition an, aus der Apotheke der Natur zu schöpfen.

Wieder tatkräftig an unserer Seite

Tatkräftige Unterstützung bekamen wir durch unser Shining Eyes Mitglied Waltraud, die nun schon zum 5. Mal ihren ärztlichen Einsatz bei uns hatte. Besonders hatte sie sich unserem querschnittsgelähmten jungen Mann Ramchand angenommen und täglich seine offenen Wunden versorgt, die wunderbar heilten.

In Staunen und Freude  -  Fürsorge für unser Frühgeborenes

An einem Morgen stand ein junger Vater mit einem frühgeborenem Kind im Arm in der Sonne und wartete auf uns. Das Kind wog 1,1 kg und war schon 6 Wochen alt und nun hatte es eine Erkältung. Ohne Beatmung und Inkubator hatte sich dieses junge Leben bereits durchgekämpft. Die junge Mutter stand ganz schüchtern daneben. Das Kind war zudem ausgetrocknet, jedoch noch wach und rege sich bewegend. Wir wärmten es auf und wollten es in unserem Wärmebettchen aufnehmen und langsam mit kleinen Milchmengen ernähren. Nun machten wir eine schöne Erfahrung mit unserem neuen indischen Kinderarzt.

 Er motivierte die Mutter zur Känguru-Haltung ihres Kindes, um es warm zu halten und zeigte ihr Hygiene der Hände, bevor sie ans Füttern ging und motivierte sie wieder zum Stillen… Dazu nahm er sich über eine Stunde Zeit, was alle in Staunen und Freude versetzte. Die Mutter gewann Vertrauen und hat dankbar alle Ratschläge angenommen. Nach einer Woche hatte das Kind bereits 200g zugenommen.

Jubiläum - 6 Jahre Kinderklinik

Am 11. Februar (Erscheinungstag Marias in Lourdes) hatten wir unser 6-jähriges Jubiläum vom Krankenhaus und luden viele kleine ehemalige Patienten ein, die sich über ein üppiges Mittagessen sehr freuten. Mansumi konnten wir gleich auch ihre neue Brille anpassen, die sie durch das Augencamp verordnet bekommen hatte.

Moringa-Austausch mit Regierung

Wir waren sehr beschäftigt, ein großes Seminar in unserem Hospital über die Ergebnisse der Doktorarbeit von Silvi und Caroline vorzubereiten, wo es um die Überwindung der Mangelernährung und Anämien der Kinder bis 3 Jahren geht. Als wir unsere Einladung den Regierungsstellen übermittelten zeigte sich ein großes Interesse an unseren Moringa-Ergebnissen, die wir als Vitamin-Eiweißzusatz verwendeten. Sie wollten gleich mit uns ein gemeinsames Regierungsprogramm ausarbeiten, um die staatlichen Ernährungszentren mit unserem Moringa/Amaranth-Gemisch zu versorgen. Das war auch unser Wunsch, dass unsere Ergebnisse einer größeren Schar von Kindern zugutekommen sollte.

Ein großer Segen....

Wachsam im Alltag für Gottes Führung, dürfen wir immer wieder staunen, wie sich sein Segen über uns ausbreitet und wir unsere kleinen Patienten an die richtigen Stellen für eine gute Versorgung weiterleiten können. Friedvoll versammeln sich unsere Mütter und Kinder abends vor unserer Mariengrotte ohne zu ahnen in welch großen Segen sie hineingenommen sind.